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> Das schöne
Leben Presse zu Britta: |
Intro 27.03.06, von Sonja Eismann Britta Vor dem schönen Leben sah es finster aus chez Britta.
Nach dem Tod von Schlagzeugerin Britta Neander, der desaströsen
Efa-Pleite, die alle sauer verdienten Gewinne der Band mit in ihren
"räuberischen Konkurs" riss, und nach einer langen Krankheit
von Sängerin Christiane Rösinger schien es erst mal, als sei
das der tiefschwarze Punkt am Ende des Kapitels. "Deutlicher kann
einem nicht gezeigt werden, dass das alles keinen Sinn hat", erinnert
sich Christiane an ihr Fazit nach drei melancholisch-gewitzten Platten,
die mit ihrer textlichen Brillanz die meisten anderen Deutsch singenden
Bands demütig im Staub zurückließen. Doch nach Gesprächen
innerhalb der Band und mit FreundInnen war bald klar, dass das Unglück
zurückgeschlagen werden muss. Musikalisch hat sich nicht viel an ihrem immer beschwingter werdenden, melodischen Melancholie-Schrammel-Pop geändert: "Bei der zweiten Platte hatte ich einen unheimlichen Innovationsdruck, weil auf einmal alle was mit Elektronik gemacht haben. Aber ich bin froh, dass wir darauf nicht eingestiegen sind. Das wäre albern und auch gar nicht unsere Musik - die ist eben klassisches Singer/Songwriting", rekapituliert Rösinger. Doch textlich fährt mit Fanfaren ein Paradigmenwechsel ein. Denn nachdem sich Christiane Rösinger jahrelang, schon damals bei den Lassie Singers, um die Dekonstruktion des Ideals der romantischen Liebe verdient gemacht hat, knöpft sich "Das Schöne Leben" auf einmal ganz materielle Themen vor. Einer der Höhepunkte der Platte ist das Stück "Du Sprichst In Rätseln", in dem Christiane mit ihrer glockenhellen Stimme süffisant den Trend zur "Verrätselung" seziert und ironisiert, der seit einiger Zeit prächtige Triebe treibt: "Die Leute machen es sich so einfach, indem sie ein paar rätselhafte Bilder aneinander reihen. Das wirkt blutleer, da fehlt mir die Welthaftigkeit. Man kann das als dunkle Poesie schätzen, aber mir persönlich gefällt es besser, wenn die Realität besungen wird. Deswegen würde ich mir gerade bei den begabten deutschsprachigen Songwritern wünschen, dass sie wieder konkreter werden." Und selbst ist Christiane in ihren Texten explizit wie nie. "Ich habe auch früher schon versucht, in die Demontage dieses Liebeskonstrukts eine gesellschaftliche Kritik mit einfließen zu lassen, aber ich hätte mich nicht getraut, ein Lied wie 'Wer Wird Millionär' zu schreiben, weil ich dachte, das wäre zu platt." "Wer lebt prima und wer eher prekär? Wer geht putzen und wer wird Millionär?" fragen Britta witzig und aufrüttelnd in genau jenem Lied, in dem der Teufel wie im echten Leben auf den größten Haufen scheißt. Nachdem man sich in Kunst und Theorie schon lange mit dem Thema "Ist das noch Boheme oder schon Unterschicht?" beschäftigt, sind Britta die erste Band, die mit ihrer Platte quasi den Soundtrack zur Prekarisierung vorlegt - gewohnt scharfsichtig, ironisch und subtil. "Das wird eine Riesenbewegung werden - man denke nur an Initiativen der Prekarisierten wie den Euro May Day. Vielleicht ist das ja unsere Chance auf den großen Durchbruch", schmunzelt Christiane. Und ich denke mir: endlich die verdienten Lorbeeren. Das wäre was. Sonja Eismann ____________________________________ INTRO, 20.02.06 von Christoph Büscher Britta, Das Schöne Leben Die Songs von Britta waren irgendwie schon immer ein Stück praktische Lebenshilfe. Eine Art schlagkräftige Einsatztruppe für den Überlebenskampf in der Lifestyle-Industrie. Es ist typischer Britta-Humor, eine Platte wie "Das
Schöne Leben" mit einem Song wie "Depressiver Tag"
zu beginnen: Am Ende dieses für seinen vermeintlich traurigen
Text sehr gut gelaunten Hits steht dann jedoch die Botschaft, niemals
aufzugeben. Und das ist auch sonst das Programm. Denn Schicksalsschläge
gab es für Britta seit dem letzten Album "Lichtjahre Voraus"
genug. Dass die Band trotzdem weitermachte, zeugt vom ungebrochenen
Willen, sich gerade jetzt nicht unterkriegen zu lassen. Dafür klingt
"Das Schöne Leben" überraschend positiv. Früher
war Brittas melancholischer Indie-Pop der ideale Begleiter für
die "traurigsten Menschen von ganz Berlin", auf dem Nachhauseweg
von der Flittchen-Bar, dem wöchentlichen Britta-Hangout in der
Maria am Ostbahnhof. Es geht aber auch versöhnlich, etwa in "Dieses
Mal", einem neuen Stück über das ewige Thema "Glaube,
Liebe, Hoffnung". Oder in "Büro Büro", einer
Abrechnung mit Arbeitswahn und Ich-AGs in den Zeiten von Harz IV. Und
dann ist da noch "Heimi Heimato", ein wunderbarer Rausschmeißer,
ein Anti-Schunkelhit, der den Kater am nächsten Morgen schon mal
vorwegnimmt, wenn Christiane sich mit schwankender Stimme dem endgültigen
Erschöpfungszustand nach durchzechter Nacht nähert ("Kann
nemmer, kann nemmer, kann nemmer ..."). Am Ende wird aber alles
gut. Das scheint jedenfalls der blühende Kirschbaum auf dem Plattencover
zu sagen. _____________________________________ INTRO, 13.01.06 von Bettina Gutsohn Hör mir auf mit Liebe Britta werden am 07. April "Das Schöne Leben" - das bis dato vierte Studio-Album veröffentlichen. Laut Info von Flittchen Records, der Plattenfirma von Christiane Rösinger und Almut Klotz, soll es darauf inhaltlich weniger als bisher um "Liebe als Konstrukt" gehen. Sondern vielmehr um "Klassenverhältnisse, Prekarisierung und Erschöpfung im Nachtleben". Produziert wurde das Album wie schon die letzten beiden übrigens vom Berliner Herman Hermann. "Das Schöne Leben" ist das erste Album seit dem Tod von Britta-Schlagzeugerin und -Namensgeberin Britta Neander im Dezember 2004. Mittlerweile spielt Sebastian Vogel (Kante) als festes Mitglied in der Band. Hier die Trackliste. Schon nach einmaligem Hören ein Knaller: Der Mundart-Refrain des letzten Stücks "Heimi Heimato" ("Kann nemmer, kann nemmer, kann nemmer "). Da geht nicht nur Schwaben-Badenern das Herz auf. 1. Depressiver Tag ____________________________________ ____________________________________ aus dem Jahr 2003 zu "Lichjahre voraus": INTRO,
27.08.2003, von Alexander Lazarek
Britta Was habe ich mich damals gefreut, als Kerstin Grether
in einem Intro-Artikel forderte, Britta-Songwriterin Christiane Rösinger
endlich die gleiche kultische Verehrung für ihre tollen Texte zuteil
werden zu lassen wie z. B. Jochen Distelmeyer. |
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